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Landung des tollkühnen Piloten Schall

Flensburger Tageblatt - Montag, 22.08.2011
Landung des tollkühnen Piloten Schall
Die mutigen Herrn Aviatiker – Als die hundertjährige Geschichte des Flugplatzes Schäferhaus begann
Flensburg

Zeppeline waren zu Beginn des 20. Jahrhundert schon eine gewohnte Erscheinung, so auch am Flensburger Himmel. Aber der Gebrauch von Motorflugzeugen – schwerer als Luft und abenteuerlich konstruiert – gehörte noch zu den Sensationen. Eine von ihnen hatte den Flensburger Himmel als Bühne.

Und bereits zu dieser Zeit gab es Veranstaltungen, die entfernt an die heutigen Flugschauen erinnern. Ein Flieger, der im Juli 1910 ankündigte, mit einem Motorflugzeug über Flensburg zu fliegen, gehörte nicht etwa zu den berühmten Pionieren der Luftfahrt wie Lilienthal oder die Gebrüder Wright. Er hatte sich ein Flugzeug gekauft, um eine Schau abzuziehen und wohl auch daran zu verdienen. Mutig war er dennoch, keine Frage. In folgender Weise wurde der Auftritt des Herrn Aviatiker, wie die tollkühnen Piloten bezeichnet wurden, angekündigt: „Der Aviatiker Schall kommt am Sonnabend, den 8. Juli nach Flensburg und wird am Sonntag, den 9. Juli, auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe des Vereins für Motorluftschifffahrt auf der großen Exerzierlücke Schauflüge unternehmen.“ Damit begann die Geschichte des Flugplatzes Schäferhaus.

Ein Vehikel, das sich mit der Kraft des eigenen Motors in die Luft erheben konnte – Flensburg war aus dem Häuschen. Die „Flensburger Nachrichten“ meinten, mit ernsten Worten die erwarteten Menschenmassen zu Disziplin auf dem „Sport- und Spielplatz“ ermahnen zu müssen. Der Herr Aviatiker Schall kam am 7. Juli mit seinem „Vogel“ in die Stadt – per Eisenbahn. Sein Flugapparat wurde im Bahnhof Weiche ausgeladen. Pferdefuhrwerke schleppten ihn hinaus zur großen Exerzierlücke, dem heutigen Flugplatz Schäferhaus. Beim Anblick des Flugapparates dürfte manchen Neugierigen ein Schaudern erfasst haben: dünner Stahlrahmen, der „14perdige Motor“, ein Gewirr von Drähten, die Tragflächen aus doppelt gelegtem Öltuch – das Ganze, äußerst zierlich, eben 125 Kilo schwer, sollte einen Menschen tragen! Und der Platz für diesen Waghalsigen in seinem Flugapparat? „Der Führersitz, der in seinem Bambusrahmen einem Gartenstühlchen ähnelt.“ Heute weckt die Beschreibung die Assoziation an einen Ultraleichtflieger.

Endlich: Ein roter Wimpel stieg an einem Flaggenmast auf – Bahn frei! Der Herr Aviatiker rollte in seinem Vogel heran, zwei Männer hielten den Flugapparat fest, als der Motor zur Probe auf Touren kam. Wenige Sekunden später – die Spannung war auf dem Siedepunkt – gab es kein Halten mehr, und „aus dem Gefährt wurde ein Vogel“. Langsam hob er sich, dann schwebte er unter lautem Gesurr des Propellers sicher über dem Menschensaum des Platzes dahin. Glatt und sicher landete die Luftkutsche nach einer halben Stunde wieder. Händedrücke und laute Hurrarufe empfingen den Flugkünstler. Der stieg noch mal auf, kurvte Richtung Handewitt herum. Mancher Flensburger hätte ihn „lieber der eigenen Stadt einen Gruß aus der Höhe entbieten“ sehen, bevor er wieder auf die Wiese herunterkam und seinen Flugapparat zur Besichtigung freigab.

Ein Jahr später war die Stadt Endpunkt eines Flugwettbewerbes. 15 Flieger erhoben sich in Kiel in die Lüfte, um Flensburg zu erreichen. Das Spektakel „bewies mit harter Deutlichkeit, dass wir noch lange nicht das Luftmeer beherrschen und dass das heutige Flugzeug zwar einen großen, imponierenden Schritt vorwärts bedeutet, dass es aber noch weit entfernt ist, ein jederzeit zuverlässiges Verkehrsmittel zu sein.“ Wie wahr! Von den 15 Fliegern kamen gerade vier nach Flensburg. Die anderen mussten unterwegs notlanden. Einer suchte sich eine Baumkrone als „Landeplatz“. Eine andere der fliegenden Kisten musste bei Rendsburg ’runtergehen und fuhr dabei „gegen einen Knaben“. Der wurde zwar nur leicht verletzt, das Flugzeug dagegen schwer beschädigt. Die Herren Aviatiker zeigten Mut zum Risiko.

Gerhard Nowc