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Ein Rotweinpropeller zum Jubiläum

Flensburger Tageblatt - Freitag, 05.08.2011
Ein Rotweinpropeller zum Jubiläum
100 Jahre Flensburger Flugplatz Schäferhaus: Kunstaktion am Wochenende 19. bis 21. August mit Musik, Literatur, Skulptur
Flensburg

Was war zuerst: Der „Rotweinpropeller“? Die „Um-die-Welt-Musik“? Die hölzernen Hünen? Vier Künstler haben sich zusammengetan und ihre Gewerke zur Kunstaktion „Rotweinpropeller“ verschmolzen. Denn Schäferhaus feiert und wird gefeiert – vom 19. bis 21. August.

Anlass ist die Aufnahme des Betriebs als Verkehrslandeplatz im Jahr 1911. Tietze Schmuck, Markus Herschbach, Jochen Missfeldt und Richard Wester bilden das kreative Quartett, das den „Reibungsprozess“ übereinstimmend als produktiv (Herschbach) und Unumkämpftes als „langweilig“ (Wester) empfindet. Schon vor zwei Jahren haben diese beiden, Herschbach und Wester, bei einer anderen Zusammenarbeit das Korn gesät für die Frucht, die nun ausgereift ist. Die Künstler können ihr vierblättriges Gemeinschaftswerk fast selbst nicht mehr entflechten, haben einander mehrfach angeregt.

Entscheidend ist auf dem Flugplatz: Autor Jochen Missfeldt betrachtet die mit Spannung erwartete Performance als „das verlebendigte Buch“, aus dem er lesen wird. Dieses ist als solches ein – käufliches – Kunstwerk. Seinen Buchdeckel in „Schlammfarbe“ mit strahlendem Schriftzug ziert eine Art Gemme, eine Miniatur der Tietze-Schmuck-Figuren.

Die Zeichnungen von Herschbach fügen dem Kopfkino weitere Bilder zu; eine beigelegte CD namens „Ma'umba“ von Wester liefert den Soundtrack. In „Strömungen“ erzählt Jochen Missfeldt, der früher Flieger war, von einer Vogelkundlerin in Connecticut und einem Weinfass, das um die Erde kreist und an der Eider landet. Er wird in einem Hangar auf dem Flugplatz Schäferhaus auf einem übermannshohen Holzstuhl sitzen und vorlesen inmitten eines Waldes weiterer ranker, schlanker Skulpturen von Tietze Schmuck. Drei Tage lang werden diese von Markus Herschbachs Video- und Audio-Installationen umgeben und in besonderes Licht gesetzt, über Nacht womöglich zum Leben erweckt, um am Tag darauf in anderem Licht zu erscheinen. Das Fest für die Sinne wird am Sonntag schließlich ausklingen mit Musik Richard Westers und Wegbegleitern vom aktuellen Album „Ma'umba“. Die Töne reflektieren Zeichnungen aus dem Buch, das Vorlagen für die geschnitzten Holzkameraden lieferte, die den Autor beeindruckten, der sich von den Objekten inspirieren ließ.

Die Frucht der gemeinschaftlichen Abstimmungen kommt dem Ideal, wie Wester es beschreibt, sehr nah: sich abstimmend und dabei reibend etwas zu schaffen, „das der Einzelne nicht in der Lage ist, hervorzubringen“. Auch die Höhe des Hangars, des Himmels, des Fliegens zieht als roter Faden durchs Gesamtwerk. Bildhauerin Schmuck versteht ihre Holzkreaturen zwar als verwurzelt, doch „mit einem guten Stand auf der Erde und einem guten Draht nach oben“. Sie will pure Freude bringen mit ihrer Kunst, doch hofft zugleich auf die „kleine und temporäre Entrückung“ als Reaktion.

„Ignoranz ist das Schlimmste“, fügt Missfeldt hinzu und hält dem als das Beste gegenüber, „wenn die Zuhörer auf die Künstler zugehen“.

Antje Walther