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Finale im Kampf ums Rathaus

Flensburger Tageblatt - Donnerstag, 18.11.2010
Finale im Kampf ums Rathaus
Der klamme Haushalt, Stadtentwicklung, Kultur und Soziales: Die OB-Kandidaten Elfi Heesch und Simon Faber stehen Rede und Antwort
flensburg

Natürlich geht es um ihre Alleinstellungsmerkmale. Die von Grünen und CDU unterstützte parteilose OB-Kandidatin Elfi Heesch betont immer wieder ihre langjährige Verwaltungserfahrung. SSW-Kandidat Simon Faber spielt stets die Karte seiner regionalen Verwurzelung. Rund 300 Zuschauer waren am Dienstagabend in die Bürgerhalle gekommen, um die beiden OB-Kandidaten vor der Stichwahl am Sonntag ein letztes Mal im direkten Vergleich zu sehen. Genau 98 Minuten nahmen Carlo Jolly und Joachim Pohl von der Stadtredaktion des Tageblatts Heesch und Faber ins Kreuzverhör.

Ein zentrales Thema: die Konsolidierung des Haushalts. Elfi Heesch prescht mit konkreten Vorschlägen vor. „Wir müssen überlegen, wo städtische Beteiligungen noch nötig sind“, sagt sie und rechnet vor: 25 Prozent machten diese an der Gesamtverschuldung aus. Eine Privatisierung von Unternehmen der Daseinsvorsorge bedeute das nicht. Beim Flugplatz Schäferhaus aber stehe die starke Privatnutzung nicht in Relation zur öffentlichen Förderung von 80 Prozent, so Heesch. Nächster Vorschlag: Mit E-Government lasse sich Personal einsparen. Ihre Idee, Verwaltungsgebäude als Werbeträger zu vermarkten, kommentiert sie mit dem sprichwörtlichen Kleinvieh, das eben auch Mist mache. Faber wird nicht derart konkret, verweist auf eine aktive Standortpolitik, um die städtischen Einnahmen zu erhöhen. Neben der Ansiedlungspolitik möchte Faber vor allem dafür sorgen, dass sich die schon ansässigen Unternehmen in Flensburg wohlfühlen. „Sonst ist es schwer, neue Firmen anzulocken.“

Beide Kandidaten harmonieren in ihren Vorstellungen zum Wohnungsbau und sehen Potenzial in den zunächst vernachlässigten nördlichen Stadtteilen. Sie fordern Gebäude, die den Bedürfnissen mehrerer Generationen zugleich entsprechen müssen. Während Faber zudem auf Modernisierung des Bestandes etwa nach dem Modell Fruerlund setzt, schwebt Heesch ein Mittler im Rathaus als Schnittstelle zwischen Verwaltung und Investoren vor.

Eine kühle Rechnerin wie Elfi Heesch will sich im Denken keine Grenzen auferlegen, gerade wenn es um ein unkalkulierbares Thema wie Kultur geht. Logisch ist, dass jede Aufstockung des Kultur-Etats bedeuten müsse, anderen etwas wegzunehmen. Doch dass eine Stadt wie Flensburg ein Theater braucht, hält sie für unstrittig: „Es geht um das Wie.“ Als Oberbürgermeisterin würde sie sich jedoch nicht anmaßen, allein zu entscheiden. Vor allem will sie die Bürger fragen, was die wollen. Heesch, so scheint es, entscheidet nichts ohne Analyse, ohne Einsatz und erwartetes Ergebnis aufzurechnen. „Für die beste Lösung setze ich mich ein.“ Ein „Kulturentwicklungsplan“ könnte dorthin führen.

Auf dem Gebiet der Kultur bewegt sich Simon Faber auf vertrautem Terrain. Er findet, dass ein Theater unbedingt in die Region gehöre. Er animiert dazu, grenzüberschreitend zu denken und dies als „Alleinstellungsmerkmal“ sowie Magneten für Wintertouristen zu begreifen. Faber stellt zur Debatte, ob eine Nachverhandlung mit dem Umland nicht sinnvoll wäre, in größerem Maße pekuniär zur Kulturlandschaft beizutragen. Seinen Heimvorteil spielt er geschickt aus, indem er kundig an die Geldprobleme der Pilkentafel erinnert und daran, wie viel Wirkung sich erzielen lassen könnte mit „weniger Mitteln“ wie etwa für die Hofkultur, so dass „Flensburg wahrgenommen wird“.

Auch bei für Heesch „existenziellen“ Themen wie der Sozialpolitik fragt sie: „Wo kann ich das wenige Geld mit größter Wirksamkeit einsetzen?“ Ihre Antwort: in der frühkindlichen Bildung. Diese Investition, so hofft sie, qualifiziere gerade Kinder aus Hartz-IV-Haushalten und hole sie aus der Armutsspirale. Heesch: „Eine gerechte Gesellschaft fängt bei den Kleinkindern an.“ Dazu bedürfe es auch eines entsprechenden Betreuungsangebots. Aus Sicht Fabers ist dieses in Flensburg „ganz gut“. Wichtig sei die Qualität des Personals. Eine gut ausgestattete Einrichtung mit schlechtem Personal nütze wenig. Es gehe eben nicht immer alles nur mit mehr Geld. Beim Thema Armut gelte es, das ehrenamtliche Engagement voranzubringen.

Antje Walther Kristof Gatermann

Ausschnitte der Podiumsdiskussion sind zu sehen auf www.shz.de. Der Offene Kanal wiederholt die gesamte Aufzeichnung am Sonnabend ab 13 Uhr.