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Schäferhaus vor dem Absturz?

Flensburger Tageblatt - Donnerstag, 11.11.2010
Schäferhaus vor dem Absturz?
Stimmen aus der Politik: Flugplatz wird zur Disposition gestellt / Heftiger Widerstand aus der Fliegerszene
Flensburg

Die Diskussion ist eröffnet: Was wird aus dem Flensburger Flugplatz Schäferhaus, der im nächsten Jahr hundert Jahre alt wird? Im Hauptausschuss wurden am Dienstag Stimmen aus vier Fraktionen laut, die über die Zukunft der 82 Hektar am westlichen Stadtrand reden wollen. Dabei geht es um den jährlichen Zuschuss von 100 000 Euro an die Betreibergesellschaft – laut SSW-Mann Gerhard Bethge sind es sogar 120  000 – und um die Option auf Flächen für die weitere Entwicklung der Stadt.

SPD-Fraktionschef Helmut Trost stellte eine Reihe rhetorischer Fragen: Ist Schäferhaus ein Defizitbringer ohne Nutzen? Muss das immer so bleiben? Liegt dort ein Potenzial für Wohnen und Gewerbe? Es gebe kaum noch Firmenflüge, alle Privaten seien aus der Betreibergesellschaft ausgestiegen.

Auch Wolfgang Schmiel (WiF) meinte, Schäferhaus müsse untersucht werden; es könne nicht sein, dass die Stadtwerke den Flugplatz finanzieren. Zustimmung in diese Richtung kam auch von Jörg Pepmeyer (Akopol).

Anlass für die Eröffnung der Schäferhaus-Debatte war ein Antrag im Hauptausschuss, die vergleichsweise geringe Summe von 10 000 Euro für die grenzüberschreitende Sondierung der Frage eines binationalen Flughafens in Sonderburg bereitzustellen. „Die Chance, Schäferhaus und Jagel loszuwerden, ist uns 10 000 Euro wert“, sagte Uwe Lorenzen (Grüne). Ein binationaler Flughafen Sonderburg würde nach europäischem Recht als deutscher Flughafen mit entsprechend geringeren Gebühren bei Flügen aus Deutschland gelten.

Während die Politiker größtenteils begeistert von dieser Vision waren, kommt aus der Fliegerszene und aus der Betreibergesellschaft große Skepsis. Thomas Liebelt, Vorsitzender des Flensburger Luftsportvereins, sieht in diesem Interreg-Projekt vor allem den Versuch der Kommune Sonderburg, das hohe sechsstellige Defizit zumindest teilweise auf andere Schultern zu verlagern. Es sei bekannt, dass der Sonderburger Flugplatz große Probleme habe – „spätestens seit der Brücke über den Großen Belt“, so Liebelt.

Der Geschäftsführer der Schäferhaus-Betriebsgesellschaft, Manfred Bühring, rechnete vor, dass sich allein die Hälfte des Zuschussbedarfs aus Abschreibungen und Zinsen für die teure Sanierung der Landebahn ergebe. Er erinnerte daran, dass man für vergleichsweise wenig Geld – „zwei Stellen bei der Stadt“ - eine wichtige Infrastruktur-Einrichtung am Leben erhalte. Von den 11 700 Landungen pro Jahr seien immerhin 2700 geschäftlich bedingt. Liebelt hat mit seiner Firma JOSS erst vor einem Jahr für 0,75 Millionen Euro eine Halle bauen lassen, die heute von einer Flugzeugwerft genutzt werde. Acht Arbeitsplätze, so Liebelt, hängen am Flugplatz. Der Luftsportverein (Motorflug, Segelflug, Fallschirmspringer) habe 250 Mitglieder, auf Schäferhaus seien 30 Maschinen stationiert. Eine Stadt wie Flensburg ohne Flugplatz – „unvorstellbar“, wettert Liebelt.
Joachim Pohl