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Stadtwerke: Das Geld wird knapp

Flensburger Tageblatt - Mittwoch, 30.12.2009
Stadtwerke: Das Geld wird knapp
Millionen-Verluste an den Börsen / Rückzug aus dem Ventspils-Engagement / Externer Gutachter soll Konzern überprüfen
Flensburg

Ernüchternde Bilanz bei den Flensburger Stadtwerken: Das Jahresergebnis des kommunalen Unternehmens warf in diesem Jahr so gerade noch die Gewinnbeteiligung von drei Millionen Euro zugunsten der verarmten städtischen Mutter ab, ansonsten blieb nicht viel. Der Bilanzgewinn (nach Abführung des Pflichtteils) beläuft sich auf 100 000 Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von 1 Prozent. Jetzt soll ein externer Gutachter den Konzern unter die Lupe nehmen.

Nicht eben erbaulich nach fetten Jahren, in denen Millionenüberschüsse erwirtschaftet wurden. Jetzt werden Überlegungen angestellt, wie man das Unternehmen mit frischem Kapital versorgen kann. Die anstehende Gebührenanhebung auf Fernwärme, Strom und Wasser wird allein nicht reichen. Es gibt Pläne, mit Inhaberschuldverschreibungen auf den Markt zu gehen; es gibt einen Beschluss, den knapp fünf Millionen Euro schweren Anteil im deutsch-lettischen Kraftwerks-Joint-Venture in Ventspils wieder zu verkaufen.

Das umstrittene und als riskant kritisierte Projekt, beharrlich als kreative Antwort eines mittelständischen Versorgers auf die Herausforderung der „global player“ vermarktet, steht auf der Kippe. Die Ratsversammlung stellte ihrer Tochter in nicht öffentlicher Sitzung am 8. Oktober schon mal den Rückfahrschein aus. Das Unternehmen darf seinen 49-prozentigen Anteil „zu einem angemessenen Preis“ wieder verkaufen. Die Rede ist von 5,2 Millionen Euro – ob sich ein Käufer findet, ist fraglich.

Das Projekt ist anderthalb Jahre in Verzug. Fehlern in der Ausschreibung folgte mit der Krise der Finanzmärkte der Rückzug des privaten dänischen Geldgebers. Wie Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Wolfskeil im Gespräch mit unserer Zeitung einräumte, sind die Voraussetzungen für eine private Finanzierung des mit 100 Millionen Euro veranschlagten Kraftwerks momentan nicht die besten. Die EU würde gemeinsam mit dem lettischen Staat zwar das Geld zur Verfügung stellen – allerdings nur gegen eine Flensburger Bürgschaft. „Wir werden dort kein weiteres Geld hineinstecken“, so Wolfskeil.

Es knirscht noch woanders. Die Stadtwerke-Töchter machen sich als teure Kostgänger bemerkbar. Die jüngeren MEISH und die SWF Energieservice zum Beispiel, Hafen und Flughafen sowieso und schon traditionell. Die MEISH, über die Ersatzbrennstoffe (EBS) bereitgestellt werden, produziert seit ihrem Start vor vier Jahren zwar auch EBS, vor allem aber produziert sie rote Zahlen. Fast vier Millionen Euro stehen hier zu Buch, unter anderem, weil die Preise für den hier verarbeiteten Gewerbemüll deutlich unter den Erwartungen blieben.

Belastend auch die Abteilung Strom- und Kohlepreissicherung: Die Stadtwerke agieren hier an internationalen Börsen, kaufen Kohle beziehungsweise Strom – etwa für Zeiten, in denen das Kraftwerk im Niedriglast-Bereich gefahren wird. Zehn Mal im Jahr wird gekauft – und zwar zum Marktpreis, der in zwölf Monaten erwartet wird. Die Stadtwerke erwischten 2008 ausgerechnet die Phase, als die Preise krisenbedingt in die Höhe schnellten, um danach wieder fast auf das alte Niveau abzufallen. Das Unternehmen schiebt seither eine Bugwelle von 10 Millionen Euro vor sich her – die Belastungen werden bis 2012 zu spüren sein, heißt es in einem internen Bericht.

Nicht näher beziffert, aber unbestritten ist eine Altlast, die Danfoss dem Energieversorger hinterlässt. Es soll langfristige Kontrakte über die Abnahme von Strom im Gigawatt-Bereich geben. Aber daran fühlt sich der Kunde nicht mehr gebunden, weil die Produktion eingestellt wird. Und die Absicherung? Sicher, sagt Wolfskeil, da könnte man nachverhandeln. Aber die offene Millionenforderung ist Teil der Verhandlungsmasse zwischen der Stadt und Danfoss im Ringen um die Arbeitsplätze.

In der fast zehnstündigen letzten Aufsichtsratssitzung des Jahres stand die Frage im Raum: Können wir uns Investitionen überhaupt noch leisten? Das geschah auch mit Blick auf Engagements in Tarp und Süderbrarup. Hier wollen die Stadtwerke über ihre Tochter SWF eine dezentrale Fernwärmeversorgung einrichten – für mehr als 20 Millionen Euro, die sukzessive fällig werden. Investiert wird auf Kredit, bis zur Amortisierung dürften diese Projekte weiterhin die Bilanz des Versorgungsunternehmens belasten.

2008 hatte das städtische Unternehmen Verbindlichkeiten von rund 71 Millionen Euro in den Büchern stehen – Tendenz steigend. Bis 2020 müssen über 500 Millionen Euro investiert werden – überwiegend auf Pump. Angesichts dieser Summen beschleicht manch einen ehrenamtlichen Kommunalpolitiker in der Unternehmensaufsicht ein unbehagliches Gefühl. Besonders auf Betreiben der WiF und der Linken fasste die Gesellschafterversammlung Anfang Dezember einstimmig den Beschluss, den Stadtwerken einen unabhängigen Gutachter ins Haus zu schicken.
Holger Ohlsen