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Lufthansa lernte in Schäferhaus das Fliegen

Flensburger Tageblatt - Mittwoch, 08.06.2005
Lufthansa lernte in Schäferhaus das Fliegen
Von 1965 bis 1971 hat es in Schäferhaus eine Pilotenschule der Lufthansa gegeben. Am Wochenende treffen sich Schüler der ersten Stunde in Flensburg. Dieter Bonsmann erinnert sich gerne an die Jahre an der Förde.
Flensburg
Rainer Fischer

Ihr Jahrgang hat noch die „schönste Zeit“ der Fliegerei mitgemacht, als Propellermaschinen Standard waren und Flugzeuge noch kein Massentransportmittel. Sie gehörten zu den ersten Piloten in Deutschland, die mit der damals neuen Boing 737 geflogen sind. Doch bevor es so weit war, mussten sie das Fliegen von Grund auf lernen. Und das taten sie mit echter Begeisterung – in Flensburg. Am 18. Januar 1965 begann der 21. NFF, kurz für Nachwuchs-Flugzeugführer-Lehrgang, der Lufthansa in Bremen mit seiner knapp zweijährigen Ausbildung. Dort war der Hauptstandort der Pilotenausbildung der Deutschen Airline seit 1955.

Als die Beschwerden über den Fluglärm zunahmen, suchte die Lufthansa einen alternativen Standort für die fliegerische Ausbildung. In Schäferhaus fand sie eine geeignete Infrastruktur vor. Als die 16 jungen Männer des 21. NFF im April 1965 nach Schäferhaus kamen, ging es dort allerdings ziemlich improvisiert zu: In den Baracken wurde nicht nur gelernt, sondern auch auf engstem Raum gewohnt und gekocht. Später wurden Unterrichtsräume angebaut, weil das schlechte norddeutsche Wetter nicht immer Flugbetrieb zuließ.

Die flugpraktische Ausbildung in der Lufthansa-Außenstelle, die bis in den Herbst dauerte, wurde auf einmotorigen Propellermaschinen der Typen „Chip Munk“ von de Havilland, der „Kl 107“ der Firma Klemm sowie auf der Saab „Saphir“ absolviert. Heinz-Dieter Bonsmann war einer der 16 Schüler. Wie seine Mitlernenden erinnert er sich gerne an die Flensburger Zeit. „Wir fühlten uns alle pudelwohl in der Fördestadt. Endlich ging es mit der fliegerischen Ausbildung voran. Außerdem haben wir alle unseren prägenden ersten Alleinflug hier absolviert“, erzählt er mit unverbrauchtem Enthusiasmus. Auch das Fliegen über Förde und Geltinger Bucht barg und birgt aus fliegerischer Sicht viele Reize.

Am Boden fühlten die Fluglehrlinge sich ebenfalls sehr wohl. In der freien Zeit machte der Lehrgang viele Ausflüge in die Region, inklusive Dänemark. Einige Teilnehmer hat es später wieder hierher verschlagen. Für die berühmten Hangarfeste wurde mit zwei VW-Bussen Damengesellschaft aus der Stadt herangeholt: Kontakte gab es zur Jahnschule und zur Gymnastik-Lehrerinnen-Schule in Glücksburg. Die wurde aus nahe liegenden Gründen von der Marine als eigene Domäne betrachtet. Größere Konflikte gab es jedoch nicht. Die Lufthanseaten setzten sich durch. Im Winter wurde wieder die Schulbank in Bremen gedrückt.

Die Außenstelle der Gesellschaft mit dem Kranich auf dem Leitwerk in Schäferhaus bestand nur wenige Jahre: Das Wetter war einfach zu schlecht, auch hier gab es Beschwerden über Fluglärm, obwohl die Kaufkraft der Fluglehrlinge ansonsten hoch geschätzt wurde. Heute wird der fliegerische Nachwuchs der Lufthansa in der Nähe von Phönix im amerikanischen Arizona ausgebildet. Dort betreibt die Airline einen eigenen Flugplatz, mitten in der Wüste. Den dortigen Kojoten macht der Fluglärm offenbar nichts aus.

Heinz-Dieter Bonsmann war als Flugkapitän in Frankfurt am Main stationiert, als „Zwangshesse“ wie er schmunzelnd erzählt. Heute lebt er mit seiner Frau in der Nähe von Neustadt in Holstein und kümmert sich um eine kleine Pferdehaltung – wenn er nicht gerade fliegt. Wie seine Lehrgangskollegen ist er mittlerweile zwar pensioniert, fliegt jedoch viele historische Flugzeuge. Dazu gehört häufig die Ju 52, mit der er bereits mehrmals auf Flugschauen in der Fördestadt zu Gast war. 1999 hat er Beate Uhse in einer restaurierten Me 108 geflogen, in der diese während des Krieges Verbindungsflüge absolviert hatte.

Zum 40. Jubiläum ihres Lehrgangs veranstalten die Teilnehmer vom bis 10. Juni in Flensburg ein Wiedersehens-Treffen mit viel Programm und Austausch von alten Erinnerungen. Wichtigster Punkt: Besuch des Flugplatzes Schäferhaus, der sich seither nur wenig verändert hat. Die Gruppe ist immer noch vollzählig. Die ehemaligen Flugkapitäne haben in ihrer aktiven Laufbahn keinen einzigen Flugunfall erlitten.