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Macht Standort Flensburg Luftrettung billiger?

Flensburger Tageblatt - Mittwoch, 02.02.2005
Macht Standort Flensburg Luftrettung billiger?
Obwohl ein Gutachten Flensburg als Standort empfiehlt, soll der Rettungshubschrauber „Christoph 42“ in Niebüll stationiert werden.
Flensburg/Niebüll
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Vor über drei Jahren begann die Planung für einen im Norden des Landes stationierten Rettungshubschrauber. Im April 2004 wurde beschlossen, dieses Fluggerät in Niebüll anzusiedeln. Dort müssen jedoch für viel Geld erst die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden, zudem in einem Wohngebiet. Die Planung läuft, noch ist jedoch nichts gebaut worden. In Flensburg hingegen sind nahezu alle Voraussetzungen gegeben, um einen Rettungshubschrauber zu stationieren.

Die Rechnung scheint einfach zu sein. Von Niebüll aus sind die nordfriesischen Inseln schneller zu erreichen als von Flensburg. „Der Nordwesten ist bei der Luftrettung ein weißer Fleck auf der Landkarte“, sagte Rudolf Facklamm, stellvertretender Leiter des Landesverbandes der Ersatzkassenvereinigung. Er beruft sich auf eine Entscheidung einer Arbeitsgemeinschaft, an der „alle beteiligt“ waren. Außerdem soll „Christoph 42“, so der Name des Helikopters, der von Hohenlockstedt in den Norden verlegt wird, vor allem den Südwesten Dänemarks abdecken und hier Einsätze fliegen. Auch dieses Gebiet liegt Niebüll näher als Flensburg.

Andererseits fliegt ein Rettungshubschrauber schnell, etwa 250 km/h. Das macht 15 Sekunden für einen Kilometer. Experten schätzen die Flugdauer von Flensburg nach Niebüll auf rund sieben Minuten. Im Rettungswesen gibt es den Begriff der „Golden Hour“: Binnen einer Stunde nach einem Unfall oder einem akuten Gesundheitsproblem soll der Patient im OP liegen. Das ist in jedem Fall auch von Flensburg zu schaffen. „Unter Berücksichtigung der ,Golden Hour' und der Kostensituation stellt sich die Frage, ob Flensburg nicht auch ein akzeptabler Standort wäre“, sagt etwa Rudolf März, Chef der Flensburger Berufsfeuerwehr und für den Rettungsdienst zuständig.

Für Flensburg spricht auch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) von Februar 2004. In einem ausführlichen Standortvergleich heißt es unter Punkt 5 (Empfehlung) zu Flensburg:
•  „Kriterien wie Abdeckung der bevölkerungsstarken Kernregion, Erreichbarkeit der Nordfriesischen Inseln, Kostenoptimierung durch kurze Umlaufzeiten, gute Anbindung an zwei leistungsstarke Kliniken, Integration in ein deutsch-dänisches Rettungsdienstkonzept, geeignete flugbetriebliche Infrastruktur sprechen unter Berücksichtigung aller Faktoren für den Standort Flensburg als Betriebsstandort für einen Rettungshubschrauber.“

Die Fördestadt hat am westlichen Stadtrand einen voll funktionstüchtigen Flugplatz; es gibt eine Halle für den Hubschrauber und Räume für die Besatzung, auch eine Tankstelle ist vorhanden. „Flensburg ist zugelassen für Hubschrauber-Einsätze“, heißt es entsprechend bei der Landesluftfahrtbehörde in Kiel. In Niebüll muss hingegen erst noch gebaut werden; es ist von Kosten in Höhe von einer Million Euro die Rede. Diese Investitionen werden von dem Betreiber des Hubschraubers, der Deutschen Rettungsflugwacht, auf die Flugminuten umgelegt und den Krankenkassen in Rechnung gestellt. Sie werden letztlich von den Versicherten bezahlt.

Die Summe wird von der DRF allerdings nicht bestätigt. Hier geht man von 700 000 Euro aus, ohne sich genau festzulegen. Und: „Auch in Flensburg wären Investitionen erforderlich“, so DRF-Sprecherin Petra Henschel, weil die vorhandenen Einrichtungen so nicht nutzbar seien.

Das für Gesundheitsfragen zuständige Sozialministerium sieht keinen Grund, die Standortfrage neu aufzurollen. „Die Entscheidung ist damals unter Beteiligung aller Gebietskörperschaften gefallen“, sagte ein Sprecher. Die Verträge würden zwischen Kassen und Kommunen gemacht.